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Der Park der Wünsche

Wir haben gelernt, den Prozess der Entwicklung vom Säugling zum Jugendlichen und zum Erwachsenen als "Sozialisation" zu bezeichnen. Damit meinen wir vor allem den äußeren Einfluss, den die Gesellschaft auf die Heranwachsenden ausübt, damit diese sich an eine vorgegebene Welt der Normen und Erwartungen anpassen. Doch Kinder erleben immer wieder Freiräume, und gestalten sie nach ihren eigenen Vorstellungen. Indem sie allein oder zusammen spielen (play, game) definieren sie ihre eigene Person durch Routinen, Regeln und Konventionen. Sie schaffen sich so eine unverwechselbare Welt, in der sie sich als heranwachsende Individuen mit eigener Phantasie und eigenem Willen positionieren.

 

 

 

Erwachsene erinnern sich recht unterschiedlich an die eigene Kindheit, zwischen romantischer Verklärung und traumatischer Verdrängung. Fakten, Wunschvorstellungen und Angstprojektionen, eigene Anschauungen und Erzählungen dritter, Kitsch und Nüchternheit lassen sich kaum trennen. Nachdem unsere beiden Kinder auf die Welt kamen, wurde mir schnell klar, dass die fragmentarische Erinnerung an die Zeit des eigenen Heranwachsens nur bedingt weiterhelfen kann. Die Erlebnisse von Kindern kann man nur mit- und nicht nachvollziehen. Man muss sie täglich begleiten, ihre lebendige Dynamik aushalten.

   

Der Aufenthalt mit meinen Kindern im Park gab mir den Anstoß, mich mit dem Thema "Heranwachsen" fotografisch auseinander zu setzen. Momente kindlichen Erlebens sollten festgehalten werden – im Spielraum der individuellen und sozialen Entwicklung. Die Gruppe, mit der ich seit zwei Jahren im Park herumtobe, besteht aus elf Kindern im Alter vom vier bis sechs Jahren. Dazu kommen sechs kleine Geschwister und ihre Freunde. Mich interessiert, wie sie ihre Zeit ausfüllen und in welcher Weise sich ihre Persönlichkeiten im Laufe der Zeit verändern.

 

Mein fotografischer Essay beschäftigt sich mit der Unbefangenheit, der Freude und den emotionalen Momenten der Kinder. Ich habe mich gewundert, mit wie wenigen Mitteln die Kinder beim Spiel unterm freien Himmel auskommen. Sie leben und erleben den Park als Projektionsfläche ihrer Wünsche und Träume. Als Erwachsener ist es schwierig, die ungeheure Freiheit kindlicher Phantasie nachzuvollziehen. Meine Arbeit zeigt, wie Kinder immer wieder auf’s neue überraschen und unseren Blick auf einen Aspekt lenken, den wir zuvor noch nicht entdeckt hatten.


 

     

© Webdesign: DesignWork

© Fotografie: Dirk Gebhardt